Meinem Kind steht mit seinem Smartphone das ganze Internet zur Verfügung – das gesamte Wissen der Welt, aber auch der gesammelte Unsinn. Muss ich die Aktivitäten meines Kindes im Netz kontrollieren? Diese Frage treibt die meisten Eltern um. Ein digitaler Elternabend sollte hier zu mehr Orientierung verhelfen. Dies hat sich die Initiative Eltern und Medien der Landesmedienanstalt NRW zur Aufgabe gemacht.
„Wenn die sozialen Netzwerke nicht wären, müsste ich viel weniger reden.“
Klostermann verteufelt nichts. Er stellt gleich zu Beginn klar: „Worüber wir Erwachsenen anfangs noch gestaunt haben, ist für die Kids total normal.“ Jedes Smartphone verfügt über zahlreiche Funktionen, für die wir früher mehrere, oft sehr große Geräte brauchten. Jetzt ist es Alltag, dass jeder diese Möglichkeiten in der Hosentasche bei sich hat.
Das Hauptproblem liegt für ihn bei den interaktiven Angeboten: „Wenn die sozialen Netzwerke nicht wären, müsste ich viel weniger reden.“ Die meisten Risiken und Gefahren lauern nämlich dort, aber eben auch der größte Reiz – für Erwachsene genauso wie für Kinder. Er begrüßt es ausdrücklich, dass Facebook bei den Kindern und Jugendlichen keine Bedeutung mehr hat. Während es vor einigen Jahren noch attraktiv erschien, Privates mit der ganzen Welt zu teilen, bevorzugen die Kinder inzwischen Netzwerke im privateren Rahmen. Zu den Top-Apps zählen heute TikTok, Instagram und WhatsApp.
Private Daten schützen
Auch wenn Kinder heute schon ein höheres Bewusstsein für den Schutz privater Daten haben als noch die Generation Facebook, ist ihnen oft nicht klar, dass sie z. B. auf Instagram die Nutzungsrechte an den Bildern abgeben. Werbung wird individuell auf den Content zugeschnitten, den die Kinder teilen. Auch Snapchat ist nicht so privat, wie viele denken. Die Bilder werden zwar kurz nach dem Ansehen gelöscht, aber nur vom Handy der Nutzer, nicht vom Server des Betreibers.
Die Tricks der Anbieter
Ein großes Problem sieht Klostermann auch in den Tricks, mit denen Anbieter von Apps dafür sorgen, dass die Nutzer:innen so viel Zeit wie möglich innerhalb der App verbringen. Gerade die kurzen Videos bei TikTok, die automatisch hintereinander starten, „ziehen einen in den Bann. Ruckzuck ist ne Stunde rum“, so Klostermann. Hier nimmt er auch die Spiele in den Blick – insbesondere Fortnite und Brawl-Stars. „Brawl Stars ist die Pest“, wird der Referent deutlich. Es sei für die Kinder nicht leicht, sich loszureißen, wenn die Unternehmen alles tun, um die Nutzungszeit zu verlängern. Es ist daher nötig, dass Eltern mit ihren Kindern klare Regeln absprechen, wie viel Zeit sie am Tag mit dem Smartphone verbringen dürfen. Elternapps wie Google Family Link oder Apps zum Aufzeichnen der Nutzungszeit (z. B. Quality Time) können hier helfen.
Regeln für Klassenchats aufstellen
Sehr deutlich wird Klostermann auch beim Thema Klassenchat: „Jede Klasse hat einen Klassenchat. Und wenn die Lehrerin sagt, bei uns nicht, dann weiß sie es nur nicht.“ Er hält es für unabdingbar, dass jede Klasse sich Regeln gibt, um Mobbing oder Gruppenkonflikte zu vermeiden. Die Kinder kommen nach seiner Erfahrung schnell selbst darauf, welche Regeln sinnvoll sind, z. B. keine Fotos von anderen und erst recht keine Beleidigungen im Chat zu verbreiten. Auch sollte ein ggf. wechselndes Admin-Team gewählt werden.
Kinder auf Cybermobbing vorbereiten
Am Schluss seines Vortrags geht Klostermann auf das Thema Cybermobbing ein. Hier ist es die Aufgabe der Schule, die Kinder darauf vorzubereiten, z. B. durch den Einsatz von Medienscouts oder einschlägige Veranstaltungen der Polizei in der Schule. Das größte Problem sei, dass Cybermobbing schwer zu erkennen ist.
Sollten in sozialen Netzwerken, insbesondere Klassenchats, problematische Inhalte auftreten wie pornographische Bilder, verfassungsfeindliche Inhalte etc., muss direkt die Polizei eingeschaltet werden. Den Betroffenen rät Klostermann, Screenshots zur Beweissicherung anzufertigen, aber nicht auf diese Inhalte zu antworten.
Der Abend war hochinteressant und ist sicher einer Wiederholung wert. Wir hoffen, dass Angebote dieser Art am Clara zur Tradition werden.



